Religionsfrieden 2005 - 10. Juli 2005

Als Erste in Stadt und Landkreis bietet die Augsburger Ulrichschule in der Maximilianstraße Nachmittagsbetreuung für alle Schüler. Katholische Jugendfürsorge und Diakonie arbeiten dabei Hand in Hand, um ein unkompliziertes Miteinander der Konfessionen zu gewährleisten. Auch ein toller Beitrag zum Augsburger Friedensjahr, oder?

Die kleineren Jahrgänge gehen zur evangelischen Diakonie, die Größeren zur Katholischen Jugendfürsorge: Seit Schuljahresbeginn verfügt die Ulrichschule in der Maximilianstraße als erste Schule in Stadt und Landkreis Augsburg über nachmittägliche Betreuungsangebote für Schüler aller Jahrgänge. Diese werden in trauter Eintracht von kirchlichen Sozialverbänden angeboten, deren partnerschaftliches Zusammenwirken mancher Zeitgenosse nicht erwartet hätte. Die „harmonische Situation”, wie es Schulleiter Gerhard Hofbauer bei der offiziellen Einweihungsfeier der inzwischen auch baulich auf das Angebot angepassten Räume nannte, wurde von verschiedenen Rednern lobend erwähnt und auch von Bundesfamilienministerin Renate Schmidt in ihrem Grußwort herausgehoben, das MdB Heinz Paula überbrachte.


Während in früheren Jahrhunderten Schulen, Waisenhäuser und sogar auch die Friedhöfe für katholische und evangelische Christen parallel vorgehalten wurden, wie im Augsburger Religionsfrieden von 1555 penibel geregelt, ist heute ein unkompliziertes Miteinander der Konfessionen geboten, dass für die Betroffenen möglichst praktische Lösungen erzielt. Neben dem guten Miteinander in der Ulrichschule arbeiten die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Augsburg (KJF) und die Diakonie in der Region auch andernorts gut zusammen; so besteht etwa seit 2001 der gemeinsam getragene Integrationsfachdienst Schwaben, der Behinderte und Arbeitgeber zusammenbringt. Das Barfüßercafé in der Augsburger Altstadt gehört der evangelischen Kirche und wird von Auszubildenden des Förderwerks St. Elisabeth der Katholischen Jugendfürsorge betrieben. Und im Verbund „VIVAXX e.V.” arbeiten das Josefinum als Krankenhaus der KJF, das evangelische Diakonissenkrankenhaus, das von katholischen Ordensschwestern getragene Vincentinum und niedergelassene Ärzte gut und vertrauensvoll zusammen. Abgesehen davon ist es seit Jahrzehnten normal, dass beide Sozialverbände ihre Hilfen allen Rat Suchenden anbieten, ohne jemanden aufgrund von Religion, Konfession oder sonstiger Herkunft abzuweisen


„Für uns ist es sehr erfreulich, dass wir in den vergangenen Jahren diese Dinge mit den evangelischen Mitchristen gemeinsam angehen konnten”, zeigt sich Jugendfürsorge-Direktor Prälat Günter Grimme von der Zusammenarbeit besonders überzeugt. „Lösungen wie in der Ulrichschule sind der richtige Weg für uns. Von der Bibel her ist unser Auftrag ganz klar: für diejenigen da zu sein, die uns brauchen, egal woher sie kommen.” In der Ulrichschule funktioniert das Miteinander ganz einfach: für die Schüler der Klassen eins bis vier steht die Sonderpädagogische Tagesstätte mit zwei Gruppen zur Verfügung, die vom Diakonischen Werk geführt wird, für die älteren Jahrgänge gibt es die Ganzstagsbetreuung. „Wir haben im Grunde genommen drei Aufgaben: ausruhen und stärken, schulisch nacharbeiten und sinnvolle Freizeitgestaltung”, so Rüdiger von Petersdorff, für die Katholische Jugendfürsorge zuständiger Koordinator.