Hörbehinderte im Berufsleben integrieren - 17. November 2005

„Blindheit trennt von den Dingen, Taubheit trennt von den Menschen”. Mit diesem Zitat der taubblinden Schriftstellerin Helen Keller eröffnete Barbara Gunkel-Wittekindt ihren Vortrag über Hörbehinderung beim Unternehmerworkshop des „Regionalmanagements Schwabens”. Thema war, wie Taube besser ins Berufsleben integriert werden können.

30 Teilnehmer waren in die „AOK”-Geschäftsstelle gekommen, um sich über die Erfahrungen und Möglichkeiten zu informieren, wie Menschen mit Hörbehinderung besser ins Berufsleben integriert werden können. Gunkel-Wittekindt lieferte dabei wichtige Tipps zum Umgang mit hörbehinderten Menschen: hierzu gehöre etwa in normaler Lautstärke, deutlich, und wenn möglich ohne Dialekt zu sprechen oder Mitteilungen gegebenenfalls aufzuschreiben. Zudem gäbe es mittlerweile zahlreiche technische Hilfsmittel, die Hörbehinderten die Teilnahme am gesellschaftlichen und beruflichen Leben ermöglichten. Dazu gehören E-Mail, Internet oder Fax sowie Lichtsignalanlagen oder Bildtelefone.


Beratung und Begleitung für Firmen, die Menschen mit Hör- oder anderen Behinderungen einstellen wollen, liefert der Integrationsfachdienst (ifd) der „Katholischen Jugendfürsorge”: „Wir wollen Schnitt- und Nahtstelle sein, ein Partner, der die Wege zu Ämtern und Behörden ebnet”, erklärte Andreas Mayer, Leiter des „ifd”. Anschließend berichtete Angelika Hommel, Gebärdendolmetscherin und Mutter einer gehörlosen Tochter, aus der Praxis über die Arbeit und Ausbildung von Menschen mit Hörbehinderung. Wichtig sei vor allem, den Einstieg eines Mitarbeiters mit Hörbehinderung gut vorzubereiten und gerade in den ersten Tagen einen Dolmetscher hinzuzuziehen. Auch bei der Einrichtung des Arbeitsplatzes gibt es so einiges zu berücksichtigen: „Der Hörbehinderte sollte immer den Raum vor sich haben”, so Hommel.


Dennoch gestalte sich die Beziehung zu normal hörenden Menschen häufig schwierig. „Viele Hörbehinderte bleiben daher unter sich”, erklärte Hommel. Umso wichtiger sei es deshalb, dass sie Anerkennung und Selbstbestätigung im Beruf erfahren. Tim De Young, Leiter des Verwaltungsbereichs bei „Legoland Deutschland”, berichtete etwa über die Beschäftigung behinderter Mitarbeiter im Saisonbetrieb. Von den 250 bis 500 saisonalen Mitarbeitern sind zwischen 16 und 19 schwer behindert, und in Festanstellung arbeitet ein Schwerbehinderter. Die Philosophie von „Legoland Deutschland” laute: Behinderte gehören zu unseren Gästen und Kunden, daher gibt's auch behinderte Mitarbeiter.


Lernbehinderte Mitarbeiter wurden aus dem „Förderungswerk St. Nikolaus” in Dürrlauingen, einer „KJF”-Einrichtung, vermittelt und werden im Attraktionenbereich und im Parkservice eingesetzt. Künftig sollen auch Praktika für Auszubildende des Förderungswerkes angeboten werden. Im Anschluss an alle Vorträge bestand für Teilnehmer die Chance zum Austausch über die aktuelle wirtschaftliche Lage in ihren Unternehmen und auch deren Auswirkungen auf Mitarbeiter mit Behinderungen. Der nächste Workshop findet im März oder April 2006 statt. Themen werden dann die Alkoholproblematik am Arbeitsplatz und Folgebehinderungen sein.