Neue Trends in der Therapie - 25. November 2005Psychische Störungsbilder bei Kindern und Jugendlichen nehmen ja immer mehr zu und sind oft vielfältig. Ärzte und Therapeuten reagieren darauf mit neuen, differenzierten Angeboten und Therapieformen. „Neue Trends in der Therapie” lautete der Titel eines Symposiums, zu dem das Josefinum mehr als 100 Gäste eingeladen hatte. Ungefähr 120 Teilnehmer - Kinderärzte, Psychotherapeuten und Mitarbeiter psychologischer Fachdienste - informierten sich über das variable Konzept, mit dem im Josefinum psychische Störungsbilder behandelt werden. Häufigste Störungen bei Kindern und Jugendlichen sind Depressionen, Angststörungen sowie das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom „ADHS”. Wichtige Therapiesäulen sind die Elternarbeit und vor allem die Zusammenarbeit mit Institutionen wie Kindergärten, Schulen und Beratungsstellen. Die Arbeit mit den Kindern findet einzeln oder auch in Gruppen statt; die Therapieformen sind neben der Behandlung durch den Arzt und Psychologen etwa Musik- und Kunsttherapie, Bewegungstherapie oder Heilpädagogik. Zu den neuen Therapieformen zählt die Erlebnistherapie, bei der Patienten durchs Erleben von Grenzsituationen neue Handlungsstrategien entwickeln. In einem ressourcenorientierten Therapieansatz geht's drum, den Fokus weg vom Problem hin auf die Stärken des Patienten zu richten und dadurch eine aktive Problemlösung zu unterstützen. Umstritten ist ja in der Öffentlichkeit nach wie vor der Einsatz von Psychopharmaka, die bei einigen Störungsbildern aber zum unverzichtbaren Repertoire gehören. „Hier hat sich in den letzten sieben Jahren ein riesiger Wandel vollzogen”, erklärt Dr. Jenny Junghanß, Oberärztin in der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Josefinum. „Die neuen Psychopharmaka sind wesentlich verträglicher, nebenwirkungsärmer und können gezielter eingesetzt werden.” Während noch vor ca. zehn Jahren entweder mit Psychotherapie oder Psychopharmaka gearbeitet wurde, kämen heute beide Therapieformen gemeinsam zum Einsatz: „Bei zahlreichen Störungsbildern kann eine Kombination von Psychotherapie und Psychopharmaka die besten Chancen zurStabilisierung bieten”, so Junghanß. Gerade bei Kindern und Jugendlichen sei eine schnelle und intensive Hilfe notwendig, da sie sonst in ihrer Gesamtentwicklung beeinträchtigt würden. Wichtig sei beim Einsatz von Psychopharmaka, Aufklärungsarbeit bei Eltern und Patienten zu leisten. Enge Vernetzung gibt's am Josefinum zwischen der stationären Behandlung, der Tagesklinik und ambulanten Therapie. „Ziel ist eine Nachbetreuung, die für jeden Patienten individuell gestaltet wird”, so Dr. Junghanß. Eine intensive Zusammenarbeit besteht auch zwischen der Kinder- und Jugendpsychiatrie und den psychosomatischen Stationen des Krankenhauses für Kinder und Jugendliche. „Fachtherapeuten betreuen Patienten beider Kliniken”, erklärte Bernhard Helleis, Oberarzt auf der Psychosomatik. „Wir haben immer einen Kinderarzt im Haus”, nannte Junghanß als einen der Vorteile der Vernetzung. Er übernimmt zum Beispiel die Behandlung von psychisch kranken Patienten, die an Diabetes oder einer Herzkrankheit leiden. |