Roselia braucht nicht mehr rutschen - 07. Juni 2006

Es war wohl ein Unfall beim Kochen mit dem Spirituskocher zu Hause. „Wir vermuten, dass Roselia eine großflächige Verbrennung dritten Grades am linken Bein hatte. Sie wurde dann einfach zusammengekauert hingelegt, und somit ist die Haut von Ober- und Unterschenkel zusammengewachsen.” In Augsburg wird der kleinen Angolanerin geholfen.

Kinderchirurg Dr. Andreas Schmidt hat eine solche Patientin noch nie gehabt. Er erklärt sich ihre Verletzung so, dass es an Roselias Wohnort in Angola keine medizinische Versorgung gab. Damit war das dreieinhalbjährige Mädchen seit dem Unfall darauf angewiesen, sich auf Knien rutschend oder mit Krücken fortzubewegen, denn das Bein war seither angewinkelt.


Auf Vermittlung von „Friedensdorf International” in Oberhausen kam die kleine Roselia jetzt nach Deutschland und dann nach Augsburg ins Josefinum. Wie Chefarzt Dr. Michael Heinrich berichtet war das Josefinum hier ein gefragter Partner, weil dort neben der Kinderchirurgie ebenso die Kinderheilkunde vertreten ist. Seit zwei Wochen ist sie da; nach Untersuchungen und Vorbereitungen wurde sie operiert und wird, wenn alles wie geplant verläuft, in zwei Wochen wieder ins Friedensdorf nach Oberhausen zurückkehren. Das Lächeln fällt ihr noch schwer, zu ungewohnt ist das alles in diesem fremden Land.


Stationsleitung Schwester Donatilla Seidenschwarz, Kinderchirurg Dr. Andreas Schmidt und Chefarzt Dr. Michael Heinrich mit Roselia, die ihr Bein nach der ersten Operation schon fast ausstrecken kann. © KJF/Karg

Stationsleitung Schwester Donatilla Seidenschwarz, Kinderchirurg Dr. Andreas Schmidt und Chefarzt Dr. Michael Heinrich mit Roselia, die ihr Bein nach der ersten Operation schon fast ausstrecken kann. © KJF/Karg


Nach einigen Wochen wird sie zu einem weiteren Eingriff in das Josefinum kommen, um die jetzt begonnene Behandlung abzuschließen. „Entscheidend wird sein, dass das Kind laufen kann”, so Dr. Schmidt. Gemeinsam mit seinen Praxiskollegen Dr. Claudia Herzog und Dr. Hailegiorgis Zerai hat er sich bereiterklärt, Roselia kostenlos zu operieren und zu behandeln. Das Josefinum hat Roselia ebenso ohne eine Krankenversicherung oder eine andere Zusage der Bezahlung aufgenommen; „Sie wird das Nötige erhalten”, verspricht Chefarzt Heinrich. Er wäre froh, wenn Spender die Behandlung des Mädchens unterstützen würden, das würde der Klinik die Entscheidung zur Aufnahme solcher junger Patienten künftig erleichtern. Das Josefinum ist ein Krankenhaus der Katholischen Jugendfürsorge. Diese erbittet Spenden für Roselias Behandlung auf folgendes Konto bei der Stadtsparkasse Augsburg (Kontonummer: 157.72.53, BLZ 720.500.00, Stichwort „Roselia”).


„Friedensdorf International” wurde 1967 als Bürgerinitiative gegründet, um den Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten zu helfen. Den unschuldigsten Opfern dieser Kriege und Krisen sollte schnelle und unbürokratische Hilfe gewährt werden. Seit der Gründung hat sich die Arbeit der Einrichtung erweitert, aber immer noch stehen die Kinder im Mittelpunkt. Aus der anfänglich ausschließlichen Einzelfallhilfe ist ein Programm für den Frieden geworden.


Nach wie vor kommen Kinder zur kurzfristigen medizinischen Behandlung nach Europa, doch werden seit vielen Jahren vermehrt Projekte in den Heimatländern der Kinder durchgeführt. Das staatlich anerkannte „Friedensdorf Bildungswerk” beweist, dass jeder etwas für Frieden tun kann.