Die „Elektrische” wird heute 125 - 16. Mai 2006Am 16. Mai 1881 nahm Werner von Siemens in Lichterfelde bei Berlin die erste elektrische Straßenbahn der Welt in Betrieb. Was folgte, war eine Revolution des städtischen Verkehrs. Keine Stadt, die etwas auf sich hielt, wollte auf die „Elektrische” verzichten - Augsburg zwar auch nicht, wir mussten aber noch bis 1896 mit Pferden vorlieb nehmen. Als 1881 diese erste elektrische Straßenbahn der Welt in Betrieb ging, handelte es sich noch um einen Versuch. Doch diese neue Technologie sollte den Nahverkehr bald revolutionieren: Binnen kurzer Zeit wurde die „Elektrische” zum Inbegriff des Straßenbahnwesens - und ist es bis heute. 2005 sind die Deutschen 3,5 Milliarden Mal mit Straßenbahnen gefahren; dabei legten sie durchschnittlich je Fahrt 4,4 Kilometer zurück. Die Zahlen liefert das Statistische Bundesamt anlässlich des 125-jährigen Jubiläums dieses unschlagbaren Nahverkehrsmittels.
Beiwagen „77-85”, Baujahr 1911. Diese ehemaligen Triebwagen der Serien 1 bis 40 waren seinerzeit die ersten Motorwagen in Augsburg. Später wurden sie zu Beiwagen umgerüstet. Der von der M.A.N. gebaute Koloss war 6,4 Meter lang und 4,2 Tonnen schwer. Drinnen gab's 14 Sitz- und 12 Stehplätze. © Herbert Waßner Auch in Augsburg blickt die Straßenbahn auf eine ziemlich lange Geschichte zurück. Als die „Elektrische” 1881 in Berlin Fahrt aufnahm, zogen bei uns Pferde die Waggons auf Schienen. Auch diese „Technologie” war damals ziemlich neu - 1863 gingen die ersten Zwei-PS-Trams in Betrieb. Die lange Tradition der für viele Augsburger so lieb gewonnenen Tram wird heute kaum gewürdigt. Herbert Waßner, Vorsitzender der Freunde der Augsburger Straßenbahn, ist nicht erfreut über das stiefmütterliche Dasein der Straßenbahn in Augsburg: „Zu diesem Jubiläum ist in Augsburg überhaupt nichts geplant. Unsere Stadtwerke hielten das heuer ja nicht für erforderlich. Man wird den Eindruck nicht los, dass die Verantwortlichen wohl nichts für die Straßenbahn übrig haben.” In anderen Städten würde das anders gehandhabt. „Bei uns haben die alten Bahnen des Vereins noch nicht mal einen Gleiszugang.” Doch Waßner macht den Fans der Tram Hoffnung: am 15. Juli kann man sich beim Depotfest des Vereins anschaulich mit der Geschichte der Augsburger Straßenbahn vertraut machen. Vergangenes Jahr waren hierzulande 61 Unternehmen im Straßenbahnverkehr tätig. Deren Beförderungsleistung - als Produkt aus den beförderten Personen und der Fahrtweite - belief sich auf 15,3 Milliarden Personenkilometer. Fast ein Drittel der Fahrten im Liniennahverkehr wurde mit Straßenbahnen (Omnibusse: 49 Prozent, Eisenbahnen: 19 Prozent) durchgeführt. 13.900 Beschäftigte sorgten für den Fahrbetrieb auf dem Liniennetz der Straßenbahnen von insgesamt 5.180 Kilometern. Zu den Straßenbahnen gehören statistisch gesehen auch die Stadtbahnen sowie die Hoch- und U-Bahnen (z.B. die berühmte Wuppertaler Schwebebahn). Dagegen werden S-Bahnen dem Eisenbahnnahverkehr zugeordnet. |