Beste Chancen für Frühchen - 29. Juli 2006

Knapp 400 Frühgeborene und schwer kranke Neugeborene werden jährlich im Josefinum auf der Neugeborenen- und Kinderintensivstation versorgt. Jetzt hat Bischof Dr. Walter Mixa die modernisierte Station eingeweiht. Und der Bischof hatte sich beeindruckt gezeigt von diesen winzigen Patienten, die hier aufgepäppelt werden.

Mixa erinnerte daran, dass Menschen wegen einer Behinderung nicht ausgegrenzt werden dürften: „Alle von uns haben ihre Grenzen, ihre Schwächen, ihre Behinderungen”, sagt der Bischof. „Das ist jetzt nicht nur eine Pflicht, sondern eine Überzeugung, dass ich als Bischof eintrete für die Personenwürde und Unantastbarkeit des einzelnen Menschen.” Mixa zeigte sich beeindruckt von der Arbeit auf der Station. Zum Zeitpunkt der Einweihung waren 15 Kinder auf der Station, davon fünf, die bei der Geburt ein Gewicht von unter 1.000 Gramm hatten; das leichteste war mit 490 Gramm nach bloß 23 Schwangerschaftswochen geboren worden - und damit 17 Wochen zu früh.


Bischof Dr. Walter Mixa zeigte sich sehr beeindruckt von der Arbeit der Neugeborenen- und Kinderintensivstation im Josefinum, die er nach beendetem Umbau einweihte. © KJF/Riske

Bischof Dr. Walter Mixa zeigte sich sehr beeindruckt von der Arbeit der Neugeborenen- und Kinderintensivstation im Josefinum, die er nach beendetem Umbau einweihte. © KJF/Riske


Wie bereits vor dem Umbau stehen 21 Betten auf der Station bereit, davon sind sechs so genannte Beatmungsplätze für Kinder da, die selber noch nicht atmen können. Circa 1,65 Millionen € hat die Katholische Jugendfürsorge als Träger des Josefinums mit Unterstützung der Regierung von Schwaben in die Modernisierung der Station investiert. „Unsere Station ist hochmodern”, erklärt Dr. Michael Heinrich, Chefarzt am Krankenhaus für Kinder und Jugendliche. Die Ausstattung mit Klimatisierung, Beatmungsgeräten, Infusionssystemen und einem zentralisierten Monitorsystem zur Überwachung entspricht dem allerneuesten Stand. Große Pflegeintensivzimmer, die Möglichkeit zur Isolierung von infektiösen Patienten, ein separater Geräte- und Inkubatorenaufbereitungsbereich, ein Elternaufenthaltsraum und ein Schwesternumkleide- und Aufenthaltsraum ermöglichen optimierte Abläufe auf der Station. Noch einen Vorteil hat das räumliche Konzept: Die Station liegt direkt neben dem Kreißsaal. Der bei jeder Geburt anwesende Kinderarzt untersucht das Neugeborene und versorgt's bei Bedarf. „Somit ist immer eine kompetente Versorgung ohne einen belastenden Transport gewährleistet”, so Dr. Heinrich. Bei einer Risikoschwangerschaft können sich die werdenden Eltern bereits vor der Geburt an die Geburtshelfer und Neugeborenenmediziner wenden und gegebenenfalls weitere Spezialisten wie Kinder- oder Neurochirurgen hinzuziehen.


In der bundesweiten Bedarfsplanung derartig spezialisierter Stationen erfüllt das Josefinum die Anforderungen der höchsten Stufe. Dass dieser so hohe technische, medizinische und pflegerische Aufwand notwendig ist, zeigen auch die Zahlen: circa 1.000 Babys werden im Jahr in Bayern geboren, deren Geburtsgewicht unter 1.000 Gramm liegt. Dabei sind deren Chancen nicht schlecht: von den Kindern, die unter 1.500 Gramm Geburtsgewicht auf die Waage bringen, überleben mehr als 90 Prozent. Wobei Heinrich auch klar machte, dass bei schwerkranken Kindern im Einzelfall von der bloßen Lebenserhaltung zur Schmerzlinderung übergegangen wird, um ihnen ein Sterben in Würde zu ermöglichen.